
Mich hat das Leben gestählt
Mein Weg lässt sich in drei Akten erzählen:
Viel Trauma und Drama. Die Suche im Außen. Die Arbeit mit dem Selbst.
Ich kam als Frühchen mit offener Bauchdecke zur Welt und überlebte – damals ein medizinisches Wunder. Die ersten Monate Brutkasten-Dasein. Keine Berührungen, keine Bindungen, obwohl das gerade in dem Alter so wichtig wäre. Mit anderthalb Jahren kam ich für mehrere Wochen in Quarantäne. Wieder kein Kontakt zur Außenwelt. Danach: Eltern im Dauerstress, weil sie sich mit nichts eine Gastwirtschaft aufbauten, da blieb für mich wenig Zeit, dafür Arbeit.
Mit 15 hatte ich mit zwei lebensbedrohlichen Darmverschlüssen zu kämpfen. Ich war Anfang 20, da starb meine Mama nach langem Kampf als schwerer Pflegefall.
Das Schreiben half mir, das einigermaßen zu verarbeiten und ich war überzeugt, über die Kunst das zu bekommen, woran es mir an allen Ecken und Enden mangelte.

Kunst & Liebe
Ich hatte ab da im Leben viele Ziele: Eine Familie gründen, als Schriftsteller erfolgreich sein, als gefeierter Drehbuchautor anerkannt werden, ein stabiles soziales Netz aufbauen, finanziellen Wohlstand erreichen. Mein Leben sollte voller Freude, Genuss und Glück sein, wie aus einem Bilderbuch.
Und die Chancen standen nicht schlecht. Zusammen mit meinem damaligen Autorenpartner schafften wir es mit Romanen in die eBook-Bestsellerlisten, bekamen Filmverträge und wir waren bei Produktionsfirmen unter Vertrag.
Ich war überzeugt, ich wäre auf der Gewinnerseite und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis der große Wurf gelingt und ich mir mein Traumleben ermöglichen könnte.
Doch egal, wie sehr ich mich auch bemühte, wie engagiert ich auch war, alles Nötige zu tun, um durchschlagend erfolgreich zu sein, ich blickte mit Anfang Vierzig auf ein ziemlich verkorkstes Leben und dachte, dass ich einfach nur Pech hatte. Und irgendwie war da so ein Gefühl von: Ich hab keinen Bock mehr auf dieses Leben.

Die Arbeit mit mir selbst
Die Erkenntnis, dass meine Misserfolge nur wenig mit Pech zu tun hatte, sondern mit meinen Prägungen und Belastungen, kam durch eine Aufstellungsarbeit Anfang 2018. Immer mal wieder nahm ich an solchen Veranstaltungen teil und spürte, dass die Investition in sich wesentlich mehr bringt als die Investition in das Außen.
Der Durchbruch kam im März 2019 durch eine Familienaufstellung: plötzlich konnte ich alle möglichen Energien fühlen, in einer mir ungeahnten Intensität. Wie ein Besessener beschäftigte ich mich danach täglich stundenlang mit dem Menschsein und warum sich das Leben bei jenen so entwickelt und bei anderen anders.
Ich habe das in den darauffolgenden Jahren nicht nur für mich verstanden, sondern gelernt, es für andere zugänglich zu machen. So entwickelte ich aus all meinen Erfahrungen und Analysen ein System, mit dem ich heute arbeite. Über tausend Sessions mit Menschen aus unterschiedlichsten Lebenslagen, geprägt von verschiedensten Gefühlszuständen (Trauer, Ärger, Scham, Kummer, Sehnsucht ...) und Berufsgruppen (von der Yogini, den Psychologen, dem Mönch bis zu Lehrern und Unternehmern). Begegnungen mit den unterschiedlichsten Charakteren (mit Aufrichtigen und Verunsicherten, mit Intellektuellen und Impulsiven) und mit Zielen, die von großem Ruhm, dem Idealgewicht, dem Mensch fürs Leben, viel Geld bis zur Sehnsucht nach innerem Frieden reichten. All das hat mich eines gelehrt: Das Menschsein ist komplex, aber es ist veränderbar.
Mein (Innen-)Leben hat sich durch die Beschäftigung mit mir selbst und der Aufarbeitung meiner Themen mittlerweile so stark zum Positiven verändert, dass mir meine Art des Lebens vor der Bewusstseins-Arbeit äußerst surreal vorkommt. Ich kann mich mit dem Stefan, der ich fast mein ganzes Leben lang war, so gar nicht mehr identifizieren. Ich frage mich oft, was ich mir da die ganze Zeit vorgemacht habe und bin froh, das hinter mir zu haben. Das Schöne ist, dass mir diese Veränderung im Innen nach und nach im Außen das spiegelt, was ich mir zuvor gewünscht hatte: Ich bin beruflich erfolgreich, lebe mit meiner Frau in einer Beziehung, die sich nicht schöner anfühlen könnte, fühle mich vom Leben oft so erfüllt und – was nicht zu verachten ist – ich gehe einfach wesentlich weniger Menschen auf die Nerven :-D, weil ich bei mir bleiben kann.
Liebe Grüße,
Stefan
