• Stefan

Wie sehr liebst du dich?

In Beziehung zu gehen, heißt nichts anderes, als sich auf etwas zu beziehen. Sei es auf einen Menschen (Vom Partner bis zur flüchtigen Begegnung), die Arbeit, auf Sport, Tiere, oder auch auf Pflanzen. Oft sind es auch materielle Dinge, wie das Auto, das Haus, ein prall gefülltes Bankkonto oder was es nicht sonst so alles im Außen gibt, auf das man sich beziehen kann und Bezug nimmt.

Und wie fühlst du dich, wenn so eine Beziehung endet, obwohl du alles dafür gegeben hast? Eine Freundschaft zerbricht, obwohl du immer für denjenigen da warst! Die Partnerschaft endet, obwohl du dein ganzes Herz gegeben hast! Du sitzt plötzlich auf der Auswechselbank, obwohl du dem Verein trotz verlockender Angebote jahrelang die Treue gehalten hast! Deine Follower greifen dich an, obwohl du für sie mit waghalsigen Selfies dein Leben riskiert hast, um sie zu begeistern? Deine Katze wird überfahren, obwohl du immer brav in die Kirche gegangen bist?

Was fühlst du nach dem Ende gleich welcher Beziehung, sobald du das Ende gebührend mit ausreichend Tränen betrauert hast? Leere? Fühlst du dich als ein Nichts? Nicht gebührend wertgeschätzt? Und dann kommt die Wut? Weil du deiner Meinung nach nicht das bekommen hast, was du gegeben hast? Und mehr verdient hättest? Wut auf den Ex-Partner? Den ehemaligen Freund? Den blöden Verein? Die neidischen Follower? Auf Gott? Und all das, was vorher schön war, ist plötzlich mit Schmerz verbunden, weil du es nicht mehr haben wirst?

Dann solltest du dir vielleicht eingestehen, dass es dir an Selbstliebe mangelt. Und dass du aufgrund dieser mangelnden Liebe zu dir womöglich auch einen großen Teil dazu beigetragen hast, dass diese Beziehungen endeten und zukünftige auch eine kürzere Verweildauer haben werden … Denn ohne die Liebe zu dir, verknüpft man die Liebe, die man auf etwas bezieht, mit der Erwartung, etwas dafür zu bekommen. Anerkennung, Respekt, Liebesschwüre, ein Lachen, Aufmerksamkeit, Geld, ewiges Leben und ewige Liebe.

Doch früher oder später muss aufgrund dieses subtilen Drucks dieses Bedürfnis-System aus Geben und Nehmen in Schieflage geraten! Denn das kann nur solange gut gehen, solange du das bekommst, was dir nach deinem Gefühl zusteht. Sobald dir nämlich aus verschiedensten Gründen deine Liebe nicht im gleichen Maße honoriert wird, gerät das Ganze aus dem Gleichgewicht. Es kommt zu Irritationen. Frust macht sich breit. Selbstzweifel. Es wird aufgerechnet. Vorgeworfen. Toxisch diskutiert. Bis es zum Bruch kommt. Und man ist wütend, weil man sich vergeudet fühlt. Und wertlos. War das alles nichts wert?

Wäre man in der Selbstliebe, würde das nicht passieren. Denn dann ist man aus Liebe zu sich all das, was man für den Moment verkörpert. Man liebt sich dafür, der Freund zu sein, das Sexmonster, der verständnisvolle Partner, oder der Künstler, der eine Geschichte hervorbringt, die einer einsamen Seele irgendwie in einem dunklen Zimmer ein Sonnenstrahl ist, ohne, dass man als Autor je davon hört! Man liebt sich dafür, auch mal Kummerkasten zu sein, Motivator für jemanden, oder nur der stille Gast, der mit seiner Herzenswärme für die anderen ein Ruhepol ist, auch wenn sich nach diesem Abend niemand mehr an ihn erinnern wird. Man liebt sich dafür, etwas gutes zu tun, ohne, dass es gesehen wird.

Wenn man in der Selbstliebe ist, geraten Beziehungen nicht in Schieflage. Dann sorgt man selbst dafür, dass man den Wert bekommt, den man gibt, in dem man sich selbst dafür liebt für all die Rollen, die man lebt - statt zu (er)warten, dass von Außen dein Mangel an Liebe in dir kompensiert wird.

Lieb dich dafür, in Wald herumliegenden Müll zu entsorgen, ohne das auf Facebook mit der Erwartung zu verkünden, dafür gelobt zu werden. Lieb dich dafür, einer alten Frau über die Straße geholfen zu haben, ohne ein Schulterklopfen. Oder dafür, stundenlang einem Wildfremden seine Sorgen angehört zu haben. Lieb dich dafür, deinem Partner das Frühstück ans Bett zu bringen, oder zum Orgasmus. Lieb dich dafür, einem Kind ein Vorbild zu sein, ihm etwas mitzugeben, was dieser jungen Seele das Leben schöner macht, ohne, dass je jemand davon erfährt. Lieb dich für all das, was du machst, und was du bist, wenn deine Seele dich dazu drängt. Lieb dich für dein gutes Herz! Denn dann wirst du nach dem Ende einer Beziehung/Begegnung nicht kummergeplagt das sehen, was du nicht (bekommen) hast und darüber lamentieren, wie ungerecht das Leben doch zu dir armes Seelchen ist. Sondern du wirst all das sehen, was du hattest. Und du deinen Teil dazu beigetragen hast. Mit deinem Sein. Und dann ist deine Seele reich an Erinnerungen, in denen du Liebe gespürt hast. Und wenn es nur die Liebe zu dir selbst war!


Herzlichst,

Stefan von 💫Dialog mit deinem Herzen 💫


 

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