• Stefan

Verfälschtes Selbstbild

Aktualisiert: Okt 27

Gehörst du zu der Fraktion, die sich nicht gesehen fühlt? Die sich aufopfert und das nicht wertgeschätzt wird? Die viel Liebe einsetzt und trotzdem ständig die Arschloch-Karte oder ne Niete zieht? Die sich für den Herzmensch ins Zeug legt, sich hübsch macht, und trotzdem nicht begehrt wird? Die macht und tut und viel sät, und doch nur wenig erntet?

Dann liegt das womöglich nicht an dem Gegenüber, sondern an dir und deinem verfälschten Selbstbild. Wenn du etwa jemand bist, der sich ständig um seine Liebsten sorgt, obwohl kein Grund zur Sorge besteht, und sich erkundigt, ob es ihnen gut geht, oder deine Liebsten von dir aus verwöhnst und dich um ihre Bedürfnisse kümmerst, würdest du dich womöglich als "fürsorglich" & "zuvorkommend" beschreiben. Wirst du dann abserviert, ist das Geschrei groß: Ich hab mich immer um sie gesorgt, und mich um ihre Bedürfnisse gekümmert - und das ist der Dank!

Wie kann das sein?

Weil das Bild, das du von dir hast - ein fürsorglicher & zuvorkommender Mensch zu sein - in diesem Fall nicht das ist, was du wirklich bist. In diesem Fall bist du einfach nur ein besorgter und übergriffiger Mensch - den man in dieser Negativität nicht unbedingt in seinem Feld haben möchte. Ein bewusst überspitztes Beispiel aus der Gegen-Perspektive: Du sitzt mit deinem Herzmensch auf der Couch und willst mit ihm einen Film schauen. Alles ist gut, der Film startet. Doch nach wenigen Minuten fragt der Herzmensch, ob du dich wohl fühlst? Er dir gutes tun kann? Nein, alles gut und du fühlst dich wohl. Über die kurze Unterbrechung zeigst du dich für einen Moment irritiert, aber jetzt geht es ja weiter, und der Herzmensch hat es ja nur gut gemeint. Nach wenigen Minuten stoppt er wieder den Film: Aber liegst du gut? Ist es dir vielleicht zu kalt? Oder zu warm? Ist der Ton zu laut? Kommt da nicht langsam Genervtheit hoch, wenn sich derjenige um dich sorgt und sich um dich kümmern will? Du willst einfach nur in Ruhe mit ihm den Film anschauen ... Bei der dritten Unterbrechung könnte das Gefühl aufkommen, dass er dir nicht zutraut, von dir aus Wünsche zu äussern, oder du dich nicht traust, anzusprechen, wenn dich etwas stört - aber ziemlich sicher dürfte dir langsam die Lust am Film vergehen. Aber du lächelst gequält und sagst, dass wirklich alles gut ist und du schon laut geben wirst, wenn du etwas möchtest. Das Ganze geht dann nicht nur beim Film so, sondern danach auch im Bett, wenn ihr vielleicht Sex habt. Ist die Stellung gut für dich? Sag mir bitte, was du dir wünscht. Fühlst du dich auch gut? Soll ich das Licht dimmen? Möchtest du eine andere Musik hören?

Und wenn du dann den nächsten Filmabend und den Sex ablehnst, wirst du beschimpft. Der Herzmensch war doch so fürsorglich und zuvorkommend und du bist einfach undankbar und das hast du nicht gesehen und wertgeschätzt ...!


Herzlichst,

Stefan von „Dialog mit deinem Herzen“

 

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