• Stefan

Mitgefühl statt Mitleid

Man sollte kein Mitleid haben. Mit niemanden. Egal, welches Leid demjenigen auch zu schaffen macht. Klingt das herzlos? Ist es aber nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Denn leidest du mit ihm, verstärkst du nur sein Leid, statt ihn zu stärken. Hat jemand Angst vor der Nacht und du teilst dieses Leid und ängstigst dich mit, obwohl du ansonsten kein Problem mit der Dunkelheit hast – verstärkt das nur seine Angst. Betrauert jemand einen Verlust, und du trauerst mit, obwohl du mit dem Verlust an sich nichts zu tun hast, belastest du ihn nur noch mehr. Ist jemand wütend, und du schimpfst mit, wird er sich nicht beruhigen. Es stachelt sich auf, solange, bis ihr beide euch beruhigt habt. Mit-Leid verstärkt und verlängert nur das Leid, egal, um welches Mangelgefühl es sich auch handelt.

Mitgefühl wäre hilfreicher. Mit-Fühlen ist nichts anderes, als denjenigen zu spüren, ohne selbst diese negativen Gefühle zu fühlen. Dadurch fühlt sich derjenige verstanden und gehalten, und das Leid wird schneller vergehen. Ist jemand am Zweifeln und du zweifelst mit, verstärkt das die Zweifel (Mit-Leid). Bleibst du aber in deinem Innern in der Zuversicht, während du ihn in seinem Zweifel wahrnimmst (Mit-Gefühl), wird ihn das schneller ‚entzweifeln‘.

Das Prinzip gilt für den Einzelnen, wie auch für das Kollektiv. Angenommen, du sitzt in einem Warteraum mit einem Dutzend anderen Menschen. Und alle haben Angst vor der Zukunft. Was macht das mit dir, wenn dann jemand den Raum betritt, der keine Angst hat? Er setzt sich an einen der freien Plätze, nimmt die Angst der anderen wahr, aber er bleibt in der Ruhe, ohne etwas zu sagen, oder gar selbst in die Angst zu kommen. Ich nenne sie die Papa-Energie: und wenn du das Gefühl hast, die Welt stürzt ein und alles versinkt im Chaos, dann ist da jemand, der deine Hand hält und sagt: Hab Vertrauen, alles wird gut.

Herzlichst,

Stefan von „Dialog mit deinem Herzen“

 

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