• Stefan

Liebe meines Lebens

Aktualisiert: Mai 15


An einem Tag wie diesem, wenn es in der Wohnung unangenehm still ist und man sich ausgestorben fühlt, dann fehlst du mir. Dann stelle ich mir vor, dass wir dort auf meinem Bett liegen, splitterfasernackt, und ich streichle über deinen Bauch.

Du erzählst mir von deinem Leben, von deiner Kindheit und dass du gerne auf dem Schoß deiner Oma gesessen hast, und sie dir von Opa erzählte, mit einem verträumten Blick in ihren Augen, der dir so gut in Erinnerung geblieben ist und der für dich später Ausdruck von Liebe war. Und während du schwelgst, werde ich mir unsere Enkelin vorstellen, auf deinem Schoß sitzend, und wie du ihr von mir erzählst, auch mit diesem ganz besonderen Blick.

Ich werde dich nach deinem ersten Liebeskummer fragen und auch, ob du ab und zu an mich gedacht hast, obwohl du mich noch nicht kanntest. Vielleicht werde ich in dir ein Gefühl auslösen können, das dich mit Herzklopfmomenten flutet. Und wenn du mir dann sagst, dass es dir ganz warm im Bauch wird, werde ich dir zuflüstern, dass ich es spüren kann, an meiner Hand, die deinen Nabel bedeckt. Du wirst dich hoffentlich darüber freuen, meine Nasenspitze küssen und mit deinem Atem meine Wange bekribbeln und dann mein Ohr. Vielleicht wirst du mir zuflüstern, dass du bei mir bleiben wirst, ein Leben lang, und mir Kinder schenkst, so viele, wie ich möchte.

Ich werde mindestens fünfzehn wollen, und das auch sagen, weil du es bist, und dir wird dann vielleicht anzusehen sein, dass es gerne auch mehr sein dürfen, weil ich es bin. Und wenn du mir von deinen großen kleinen Geheimnissen erzählst, etwa wie es zu der Narbe hinter deinem Ohrläppchen kam, oder dass du gerne Steine unter deinem Bett gehortet und lieber mit Regenwürmern statt mit Puppen gespielt hast, genau dann werde ich fühlen, dass du nur darauf gewartet hast, dass dich das Leben mit mir beschenkt.

Und dann werde ich dir von einem Tag wie diesem erzählen, wenn es in der Wohnung unangenehm still ist und man sich ausgestorben fühlt.

***

Diesen Text schrieb ich ca 2008. Damals lebte ich noch alleine in meiner Wohnung in Cham und war einfach extrem liebesbedürftig. Dass es so etwas wie Selbstliebe gibt, war mir nicht mal ansatzweise bewusst. Hätte man mich damals nach dem inneren Kind gefragt, nach Chakren, nach Urvertrauen, oder der Akasha-Chronik, hätte ich mir mein damals noch fast volles Haar gekratzt (siehe Beweisfoto :-D) und gedacht: Hä? Was für ein Ding? Brauch ich nicht! Ich bekomme schon noch die Frau meines Lebens. Und dann verwöhne ich sie bis ans Lebensende, damit ich mich nie wieder einsam fühlen muss. Dass diese Bürde keine übernehmen kann, weil es keine Sicherheit im Außen gibt, und vorallem, weil das eine bedürftige Liebe wäre, und nicht die bedingungslose, wahre Liebe, war mir bis letztes Jahr nicht bewusst. Doch seit mir diese Mangelgefühle alle aufgelöst wurden, kenne ich keine Einsamkeit mehr, obwohl ich nun seit einem Jahr Single bin. Ich liebe das Leben. Erfahre mich in ihm. Und entscheide nahezu zu jeder Zeit, wie ich mich fühlen möchte. Ein Jonglieren mit Energien. Mit dem Bewusstsein.

Es ist alles in dir. Sich ausgestorben zu fühlen, ist nur eine Illusion des Egos. Lass dich nicht täuschen. Du bist Liebe. Egal, wie sehr dir die Erinnerung verschütt gegangen ist. Du bist Liebe. Auf ewig.


Herzlichst,

Stefan von 💫Dialog mit deinem Herzen 💫

 

©2020 Dialog mit deinem Herzen by Stefan


Impressum - Datenschutz